Symmetrie irritiert

Ein Spiegel ist zunächst nicht mehr als eine Scheibe, deren reflektierende Eigenschaft durch eine spezielle Beschichtung erhöht wurde. Schon früh bekamen Spiegel darüber hinaus symbolische Bedeutung, wurden mystisch und religiös aufgeladen und wurden so zu einem beliebten Motiv in der Kunst. Diese teilweise widersprüchlichen, teilweise sich bedingenden Bedeutungen (Licht und Schatten, Glück und Unglück) stehen sich gegenüber und bilden den Rahmen des Lyrikbandes. Sie halten den Spiegel in seiner kulturellen und gesellschaftlichen Einbettung und verzieren ihn mit seinem symbolischen Mehrwert.

Das Herz des Gedichtbandes, den eigentlichen Spiegel, bildet eine Reihe von Aufeinandertreffen verschiedener Personen mit dem lyrischen Ich. Es geht um Liebe, es geht um Freundschaft. Ob strategische Umsetzungen, enttäuschte Erwartungen, positive Überraschungen bei singulären Begegnungen oder auch die stetige Veränderungen der entstandenen Beziehungen im Laufe der Zeit, die Individuen brauchen einander, um sich erkennen zu können. Sie spiegeln sich in den Blicken, Handeln und Denken ihres Gegenübers. Nur so erkennen sie, wer sie sind, lehnen im anderen ab, was sie in sich selbst verachten und bewundern, wonach sie selbst streben. Ohne diesen permanenten Vergleich kann kein Ich, ob lyrisch oder nicht, entstehen.

Und dann ist da die Kittmasse zwischen Rahmen und Spiegel. Das ist der Teil, der sich der Beziehung zwischen Ich und Gesellschaft beschäftigt. So erklärt sich, dass hier Motive von Rahmen und Spiegelherz aufeinander treffen. Beleuchtet werden Selbstfindung und Abgrenzung des Individuums von der Gesellschaft bezüglich Themen wie Schönheit, Feminismus, Liebeskonzepten, sexueller Selbstermächtigung und anderen.

Was beim Blick in den Spiegel erkennbar ist, scheint vertraut und doch unterscheidet es sich vom originalen Ich, was seinen Blick lenkt, also aktiv handelt und in mehreren Dimensionen über eine ausgeprägte Tiefe verfügt. Die zugewandte und abgewandte Seite sind vertauscht und wo der Mensch beim direkten Blick noch klar zwischen Ich und Bild unterscheiden kann, beginnt sich spätestens bei der Spiegelung der Spiegelung Irritation breit zu machen. Welch Medium würde sich besser eignen dieses Wirrspiel zu inszenieren als die Fotografie, deren Definition es ist, ein Abbild der Wirklichkeit zu schaffen und die sich in ihrer heutigen Technik der Spiegelreflexkamera die Eigenschaften der Spiegel bei der Bildentstehung ohnehin zu nutze macht.

Frank Helbig hat in Zusammenarbeit mit der Autorin eine Reihe von Schwarz-Weiß-Fotografien geschaffen, die sich mit dem Spiegelmotiv in der Porträtfotografie auseinander setzen. Diese trennen die einzelnen Abschnitte voneinander.

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